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Weichnachten auf den Philippinen Cebu

Also – wie beschreibe ich es ohne taktlos oder besserwisserisch zu klingen. Nicht wirklich einfach! Jedenfalls ist Weihnachten schon in Deutschland nicht wirklich gerade meine Lieblingszeit gewesen, und Weihnachten auf den Philippinen sind eben noch einmal völlig anders und dennoch ist es eben auch Weihnachten. Und im ersten und 2.ten Jahr meines Aufenthaltes war dann auch alles fremde erst einmal interessant, abwechslungsreich und für jene, die Weihnachten auf den Philippinen zum ersten mal verbringen, erscheint alles erst einmal exotisch und aufregend. Ich erhalte viele Mails von Menschen, die wissen wollen, wie sich denn Weihnachten hier feiern lässt. Nun denn, will ich es hier einmal aufschreiben und beschreiben wie es sich mir darstellt.

Die erste Begegnung mit Weihnachten hatte ich am 21. September beim Einkauf in der SM-Supermall. Klang doch da tatsächlich schon "Stille Nacht, heilige Nacht" aus dem zentralen Lautsprechersystem, verbunden mit der Ansage, dass schon bald besondere Weihnachtsangebote zu finden seien. Klar, nicht in Deutsch alles in der englischen Version versetzt mit Landessprache. Die zweite Begegnung mit Weihnachten folgte dann am 1. Oktober als die ersten Weihnachtsschmuckangebote in den Auslagen erschienen und sich vereinzelt Weihnachtslieder aus den individuellen Lautsprechersystemen der Ladenlokale ergossen, gemischt mit der sonst üblichen RAP-Musik aus den Geschäften ringsherum.

Am 15. November war der erste Weihnachtsbaum im vollen Glanze in den Einkaufszentren geschmückt, und private Haushalte hatten angefangen ihre Häuser mit buntem Leuchtschmuck zu behängen. Am 20. November erspähte ich dann den ersten geschmückten Plastikweihnachtsbaum in einem Privathaushalt. Angestellte an den Tankstellen und in vielen Einkaufszentren schmückten sich mit der roten Weihnachtsmann-Mütze.

Fortsetzung

Ab dem 1. Dezember gab es dann keinen Halt mehr, das volle Weihnachtspaket war offensichtlich in den Haushalten angekommen, Schmuck, Musik und Feten-Stimmung überall. Überall bedeutet auch in den jeweiligen kleinen Kapellen, die rund um die Dörfer und Orte gestreut liegen.

Will heißen man bereitet eine Fiesta zu Ehren eines Heiligen vor, auf gut deutsch, man baut 300 Quadratmeter Bassboxenfläche auf, legt irgendwo auch noch einen ausgelatschten Mitteltonlautsprecher ab und dreht dann von 6 Uhr Abends bis meist 4 Uhr morgens alles volle Pulle auf.

Unterbrochen wird dies dann von einem Gottesdienst und einem Abendessen. Soweit so gut, also in Umkreis von 5 Kilometern Luftlinie schläft eben der gesamte Bezirk nicht. Die Fensterscheiben dröhnen, Tassen klappern im Schrank und die Vibrationen nehmen kein Ende. Verstehen kann man den Geräuschcocktail nicht, selbst wenn er nicht mit dem Lärm der möglicherweise gleichzeitig stattfindenden Fiesta im Nachbarbezirk gemischt würde. Und das liegt nicht daran, dass ich die Landessprache nicht wirklich verstehe, nein solch kulturbeladene Musik wird ja nicht wirklich gespielt. Grund für diese Art der Lärmemission ist, der Priester erhält einen Bonus vom Veranstalter und dieser bekommt den "Kirchenstrom und Platz" kostenlos.

Diese Zirkusdiscotheken ziehen dann vermehrt in den verschiedenen Bezirken umher und selbst in den Bergen von Cebu kann man ihnen nicht wirklich entfliehen. Also wer nun ein Beweisfoto erwartet, dem sei gesagt, für mich, der eigentlich ein Musikliebhaber ist und auch Live Konzerten nicht aus dem Wege geht, ist es einfach unmöglich auch nur eine Minute näher an diese Lärmquelle heranzutreten. Selbst mit dem Motorrad vorbeigefahren, schubst einen die Bassbugwelle fast aus der Spur. Also da anzuhalten, konnte ich mich einfach noch nicht überwinden.

Am 24. Dezember pilgert man in die Dorfkirche. Praktisch, dass diese Messen bereits um 5 Uhr früh stattfinden, da bleibt dann eben viel Zeit auch noch den ganzen Tag einkaufen zu gehen in einer der Malls, die an diesem Tag Familienangebote bereithalten. Am späten Abend trifft man sich mit der Familie, aus allen Häusern und Gärten klingen Karaoke Gesänge, und ab 22 Uhr werden die ersten Knallkörper abgebrannt.

Dies klingt dann irgendwann ab 2 Uhr langsam aus, und am nächsten Morgen trifft man sich wieder in einer der Einkaufzentren oder setzt das musikalische Saufgelage mit Karaoke an einem der öffentlichen Strände fort.

Also um es kurz zu machen: Weihnachten ist auch hier nicht wirklich mein Ding. Ich bringe dies auf eine einfache Formel: Man addiere 25 – 50 Dezibel Lärm zum sonstigen Alltagsdurchschnitt, garniert dieses mit vielen bunten grellen Lichterketten und es ist Weihnachten.

Und so ganz nebenbei bemerkt, wer es sich leisten kann von den hier ansässigen Europäern, der verbringt Weihnachten, genau da, wo er hergekommen ist. Ach ja, am 25 Dezember wird auch die städtische Müllhalde von Cebu im Stadtteil Mandaue angezündet und dichter beißender Qualm ergießt sich über das gesamte Stadtgebiet. Das hält dann so bis ungefähr Neujahr an, oder bis ein starker Regen dem vorher ein Ende bereitet.